Wir verwenden Cookies, um unsere Website zu analysieren und zu verbessern. Mit der Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Lokaltermin im Rathaus

Theorieseminar begegnet künstlerischer Praxis

Am Mittwoch, den 4. April 2012 besuchte das Methoden-Seminar „Ästhetik/Kommunikation (Theorie)“ die Ausstellung „Zum Andenken“ im Roßweiner Rathaus. Mit von der Partie war die Dresdner Landschaftsarchitektin Annabess Jiranek, welche die Fotoausstellung gestaltet hat.

Im Kleinen Saal des Rathauses dankte Professor Christoph Meyer (stehend) zunächst der Stadt Roßwein, vertreten durch Mitarbeiterin Ines Lammay (rechts), und gab das Wort dann an die Künstlerin (links) weiter, welche die über 30 interessierten Studentinnen und Studenten in ihr Werk einführte.

Dieses besteht in einer fotografischen Revue von Familienerinnerungen, welche den Bogen vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre spannen. Der Clou: Es handelt sich dabei nicht um eigene Familienbilder, sondern um „fremde“ Erinnerungen; denn Annabess Jiranek (Bild) sammelt Fotos, „die keiner mehr haben wollte“, also Bilder vom Flohmarkt, aus Haushaltsauflösungen und so weiter. Als Ihre Motivation beschreibt Jiranek die Tatsache, dass aus ihrer eigenen Familiengeschichte überhaupt keine Fotos überliefert sind. So füllt sie eine Lücke auf – und schafft mit den klug und halbwegs chronologisch zusammengestellten fremden Fotos einen eigenen Blick auf (ost-)deutsche Geschichte(n) im 20. Jahrhundert.

Die Studierenden, durchweg „Berufsbegleitende“, betrachteten dann mit großer Neugier die Zusammenstellung von Schwarz-Weiß-Bildern in der Rathausgalerie. Viele erkannten Motive wieder, die ihnen aus ihren eigenen Familienalben vertraut sind, Gesichter, Posen, Gebäude und Landschaften, technische Gegenstände wie Maschinen, Autos der 1950er Jahre – es entsteht über die Bilder eine, so fasste Christoph Meyer die Eindrücke im Auswertungsgespräch zusammen, nostalgische bzw. ostalgische Atmosphäre, eine Beziehung zu eigentlich beziehungslosen fremden Erinnerungen – die dann eben doch nicht fremd bleiben.

Bilder erzählen Geschichten – Bilder machen Geschichte, so das Fazit dieses eindrucksvollen Besuchs.

Die Ausstellung „Zum Andenken“ ist noch bis zum 16. Mai 2012 zu sehen. Der Eintritt ist frei. Am Ende waren sich alle einig: Der Weg in die Stadt, der Blick in eine andere Zeit – er lohnt sich.