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Todesmärsche in Sachsen

Wir haben nichts gesehen...

Im Rahmen des Projektes Bildungsarbeit fuhren wir vom 14. Juni 2012 bis 17. Juni 2012 nach Freital. Am Donnerstag, den 14.06.2012, gegen 9.00Uhr, trafen sich alle SeminarteilnehmerInnen an der Unterkunft ‚Am Backofenfelsen’ in Freital. Sophie und Conni begrüßten alle TeilnehmerInnen und gaben einen Einblick in das Programm der kommenden Tage. Nach einer Vorstellungsrunde machten wir uns auf nach Pesterwitz. Dort aßen wir zu Mittag und besuchten das Gut Pesterwitz.

Vor Ort berichtete uns Frau Schmidt über den Todesmarsch der Markkleeberger Frauen. Sie merkte an, dass der Marsch durch den Ort Pesterwitz gezogen sei und in der Scheune des Gutes übernachtet haben muss. Dies hatte ihr eine Zeitzeugin bestätigt. Herr Kammer (Ortschronist) und Herr Folde erzählten uns Weiteres über dieses Geschehen im Ort, welches sich kurz vor Kriegsende vollzog. Danach liefen wir eine Teilstrecke des Todesmarsches von Pesterwitz nach Freital ab. Am Abend berichtete Herr Szabo aus dem Tagebuch seiner Mutter. Sie war damals Häftling im Markkleeberger Lager und überlebte den Todesmarsch von Markkleeberg bis Theresienstadt, welcher sich über 16 Tage erstreckte.

Am Freitag, den 15.06.2012, gaben Frau Christine Schmidt und Herr Wolfgang Heidrich eine Einführung in die Thematik ‚Entwicklung der Außenlager und Todesmärsche’. Frau Müller berichtete im Nachgang über ihre Arbeit in einem Verein, welcher sich für die Erinnerungsarbeit des KZ- Außenlagers in Markkleeberg einsetzt. So wurden Kontakte zu Zeitzeuginnen aufgenommen, Projekte mit dem Gymnasium durchgeführt und es konnte eine neue Gedenktafel aufgestellt werden. Danach liefen wir eine weitere Teilstrecke des Todesmarsches ab. Diese verlief von Freital durch den Thrandter Wald direkt nach Tharandt.

Auf dem Friedhof suchten wir einen Gedenkstein auf, welcher für die Opfer der Todesmärsche errichtet wurde. Im Anschluss trafen wir uns im Rathaus mit Herrn Börner und Frau Dumont, die uns über ihr Erleben, der durch Tharandt ziehenden Märsche, im Frühjahr 1945, berichteten. Am Abend hielten Frau Elisabeth Kohlhaas und Herr Prof. Dr. Matthias Pfüller einen Vortrag über das Kriegsende in Mittelsachsen.

Am Samstagmorgen sprach Frau Elisabeth Kohlhaas über den ‚Terror nach Innen’, welcher sich zu Ende des zweiten Weltkrieges ergab und viele Opfer forderte. In Kleingruppen wurden Fallbeispiele besprochen. Gegen Mittag fuhren wir nach Höckendorf und trafen im Gemeindehaus auf die Zeitzeugin Frau Rülcke. Sie berichtete über die Rettung einer jungen Jüdin, die dem Todesmarsch entkommen war.

Danach gingen wir eine weitere Teilstrecke des Marsches ab, die uns nach Rupendorf führte. Der Ortschronist erzählte uns von Geschehnissen vor Ort, die sich zu Ende des Krieges ereigneten. Zurück in Freital saßen alle TeilnehmerInnen beisammen, um gemeinsam zu grillen und den Abend zusammen zu verbringen.

Am 17.06.2012, gegen 9.00Uhr, schleppten wir uns alle in den Seminarraum und lauschten dem Vortrag von Herrn Prof. Dr. Matthias Pfüller. Er berichtete über die nationalsozialistische Propaganda und deren Wirkung sowie Formen des Erinnerns. Im Anschluss fuhren wir nach Dippoldiswalde. Dort trafen wir Herrn Mende, den Ortschronisten. Er zeigte uns eine Scheune, in welcher die Häftlinge des Todesmarsches übernachtet hatten. Außerdem führte er uns an einen Ort, an dem ein ehemaliger Soldat im Mai 1945 von Wachtruppen hingerichtet wurden war. Die Stadt errichtete dahingehend einen Gedenkstein. Danach düsten wir nach Dresden, um das Seminar innerhalb der Gruppe auszuwerten... Und dann? Ging’s schnell nach Hause…

Eine Studentin berichtet, wie sie das Seminar wahrgenommen und erlebt hat…‎

Sophia:

Es war sehr gut, dass wir so viele ZeitzeugInnen treffen konnten und mit ihnen in Austausch gekommen sind. Die Berichterstattung der ZeitzeugInnen war durch Vorurteile geprägt. Deren Sozialisation im NS- Regime war spürbar. Es ist beeindruckend zu erfahren, dass es Konzentrationslager und Todesmärsche in Orten gegeben hat, in denen ich dies so nicht vermutet hätte. Am Beispiel Pesterwitz konnten wir erkennen, dass die Thematik und die Geschichte des Ortes zur Zeit des Nationalsozialismus immer noch Tabuthemen sind, da darüber geschwiegen wird und nur wenige Menschen über die Erlebnisse berichten. Sehr beeindruckt hat mich die Erzählung von Herrn Szabo über seine Mutter.“