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Zeitzeugengespräch

Am 08.12.2010 fand an der Fakultät Soziale Arbeit ein Zeitzeugengespräch mit Felix Kolmer statt.

Der 1922 in Prag geborene Felix Kolmer kommt am 24. November 1941 mit dem ersten Transport nach Theresienstadt, wo er die nächsten Jahre als Häftling und Zwangsarbeiter verbringt. 1944 wird er in das Vernichtungs- lager Auschwitz-Birkenau deportiert. Von 1.500 Menschen seines Transports werden 1.250 unmittelbar nach der Ankunft in den Gaskammern mit Zyklon B erstickt.

Felix Kolmer überlebt die Selektion, sieht aber täglich Schlangen von todgeweihten Menschen zu den Gaskammern gehen, atmet den Geruch von verbrannten Körpern, versucht trotz nagendem Hunger und dem Tod vor Augen zu überleben. Die Vermarktung des Zyklon B geschah in den Räumen des „Messberghofes“, ehem. Ballinhaus, dem heutigen Kontorhaus Messberg 1. Viermal gelingt ihm die Flucht aus einem der Konzentrationslager, zuletzt aus dem KZ Friedland (Groß-Rosen) bei Breslau.

Nach dem Krieg kehrt Felix Kolmer nach Prag zurück und beginnt zu studieren. Heute ist er ein weltweit anerkannter Professor für Physik/Akustik und Mitglied der Akademie der Wissenschaften.

Als tschechischer Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees und Vorstandsmitglied der Terezíner Initiative verhandelte er über die Entschädigung der überlebenden Zwangsarbeiter und Ghettohäftlinge. Als Mitglied im Deutsch-Tschechischen Beirat berät er die Regierungen beider Länder. Durch Führungen und Vorträge, insbesondere vor jungen Menschen, setzt er sich aktiv für Versöhnung ein. Für seine Verdienste erhielt Prof. Felix Kolmer internationale Auszeichnungen, u.a. das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.