Erwachsenenbildung im ländlichen Raum - Präsentation von Studienergebnissen und fachlicher Austausch luden ein zur Diskussion und lockten sächsische Landespolitiker an die Hochschule


Text: Friederike Haubold und Pauline Bender

Bilder: Daniela Möckel

Eingebettet in einen inhaltlich vielseitigen Fachtag wurden am 16.05.2018 an der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida die Ergebnisse der sozialwissenschaftlichen Studie „Weiterbildungsbedarf in ländlichen Räumen im Freistaat Sachsen“ präsentiert. Der Einladung des Sächsischen Volkshochschulverbandes (SVV), dem Projektgeber und Kooperationspartner der Studie, und dem Forschungsteam folgten zahlreiche VertreterInnen aus Politik, Verwaltung, Erwachsenenbildungseinrichtungen und Zivilgesellschaft. Auch Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen und zugleich Präsident des SVV nahm an der Veranstaltung teil. Neben ihm sprachen auch Uwe Gaul, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Ludwig Hilmer, Rektor der Hochschule Mittweida, und Rolf Keil, Landrat des Vogtlandkreises zur Bedeutung der Erwachsenenbildung bei der Entwicklung ländlicher Räume.

Überreichung der Studienpublikation (v.l.n.r.): Ministerpräsident Michael Kretschmer, Prof. Dr. Ulrich Klemm und Prof. Dr. Stephan Beetz
Staatssekretär Uwe Gaul: "Um etwas zu ändern spielt der persönliche Austausch und Toleranz eine Rolle."

Studienleiter Prof. Dr. Stephan Beetz eröffnete die Veranstaltung mit den Worten, dass die Ergebnispräsentation zwar „der Abschluss einer Arbeit, aber hoffentlich der Beginn einer weiteren fruchtbaren Zeit“ sei. In Zusammenarbeit mit dem SVV wurde über einen Zeitraum von 10 Monaten der Frage nachgegangen, welchen Beitrag Erwachsenenbildung zur Entwicklung ländlicher Räume leisten kann und welche Ausrichtung dafür nötig wäre. Dazu sprachen die Projektmitarbeiterinnen Pauline Bender und Friederike Haubold mit mehr als 100 Personen in den Landkreisen Nordsachsen und Vogtlandkreis, den Untersuchungsgebieten der qualitativen Studie. Die Analyse der Interviews und Gruppendiskussionen zeigte Überraschendes:

Nicht die berufliche Bildung oder inhaltliche Bedarfe wurden von den Befragten in den Fokus gerückt, vielmehr sind es Dinge wie Gemeinschaft, Orte des Zusammenkommens und Mitgestaltungsmöglichkeiten, die mit Erwachsenenbildung und Regionalentwicklung in Zusammenhang gebracht werden. Zudem wurde deutlich, dass nur mit einer Orientierung an der Lebenswelt in ländlichen Räumen lebender Menschen, einer Beachtung regionaler Spezifika und einem starken Gemeinwesenbezug Erwachsenenbildung durch Anregung individueller und gemeinschaftlicher Lernprozesse ein Entwicklungsfaktor sein kann.

Ergebnispräsentation durch die Projektmitarbeiterinnen Friederike Haubold und Pauline Bender (v.l.n.r.)

Die anschließende Podiumsdiskussion unter dem Titel „Ländlicher Raum im Umbruch!“ griff die Ergebnisse auf. Unter der erfrischenden Moderation von Prof. Dr. Ulrich Klemm, Geschäftsführer des SVV, diskutierten Anne Pallas, Geschäftsführerin des Landesverbandes Soziokultur Sachsen e.V., Dr. Monika Michael, Präsidentin des Sächsischen Landfrauenverbandes e.V., Dr. Ralph Egler, Direktor der VHS Leipziger Land und Vorsitzender des SVV sowie der Soziologe Prof. Dr. Stephan Beetz. Dass Kooperationen unterschiedlichster Einrichtungen im ländlichen Raum unverzichtbar sind, damit Erwachsenenbildungsangebote gestärkt werden, in das Gemeinwesen hineinwirken können und Menschen generationenübergreifend und milieuunabhängig erreichen, wurde ebenso benannt wie eine notwendige Veränderung förderpolitischer Rahmenbedingungen. Die derzeitige quantitative Förderung der Erwachsenenbildung des Freistaates, die stark an Teilnehmerzahlen orientiert ist und der Bevölkerungssituation ländlicher Räume nicht gerecht wird, fragt nicht nach Wirkung und Nachhaltigkeit. Finanzieller Spielraum und langfristige Planbarkeit sind jedoch ebenso wichtig für die Implementierung neuer Formate und Ideen, z.B. im Bereich der politischen Bildung, wie die Wertschätzung und Anerkennung informellen und gemeinschaftlichen Lernens als Grundlage für eigenständige Regionalentwicklung.

Diskussionsteilnehmerinnen Dr. Monika Michael, Anne Pallas, Prof. Dr. Stephan Beetz und Dr. Ralph Egler (v.l.n.r.)

Der Austausch wurde am Nachmittag für alle TeilnehmerInnen geöffnet. Zwei World Café Runden zu den Themen Lebendige Orte in ländlichen Räumen, Politische Bildung, Partnerschaften in der Erwachsenenbildung und Finanzierung/Institutionelle Absicherung zeigten Herausforderungen und Möglichkeiten zur zukünftigen Ausrichtung der ländlichen Erwachsenenbildung auf.

World-Café-Austausch zum Thema "Lebendige Orte in ländlichen Räumen"
Dokumentation der Diskussionsbeiträge

Die Tagung bildete einen Meilenstein, um Bildung in ländlichen Räumen strukturell weiterzuentwickeln. Die Aussagen und Erkenntnisse des Tages und der nun veröffentlichen Studie (mehr) sind zugleich Basis und Impulsgeber für weitere Schritte in der praktischen und gedanklichen Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung.


Prof. Dr. Stephan Beetz lauscht zum Abschluss der Tagung dem Saxophonisten Prof. Dr. Götz Methfessel