Empowerment für Lebensqualität im Alter

Informationen zum Forschungsprojekt

Projekttitel:
Empowerment für Lebensqualität im Alter

Förderung:  
Bundesministerium für Bildung und Forschung, Förderlinie „Soziale Innovationen für Lebensqualität im Alter (SILQUA-FH)“ im Rahmen des Programms „Forschung an Fachhochschulen“

Laufzeit:     
01.Mai 2010 bis 30.September 2012

Ausgangslage

Wie ein Mensch altert, hängt entscheidend von den Lebensbedingungen vor Ort, dem Wohnumfeld ab. Beschaffenheit und Ausstattung des Wohnumfeldes sind einerseits eine wichtige Voraussetzung für die Lebensqualität im Alter, andererseits Bedingung für aktive Teilhabe. Defizite in der sozialräumlichen Versorgung, unterentwickelte nachbarschaftliche Netzwerke und ein individueller Mangel an sozialen und ökonomischen Ressourcen können selbstständige Lebensführung und gesellschaftliche Teilhabe erheblich einengen.

Mit dem Vorzeichen sinkender Bevölkerungszahlen wird das Augenmerk vor allem auf die quantitativ ausgerichtete Anpassung der Infrastruktur im nahräumlichen Umfeld gerichtet. WissenschaftlerInnen, PlanerInnen, PolitikerInnen und kommunale Akteure beschäftigten sich im Rahmen von Konzepten, Modellvorhaben und Projekten mit der ‚bedarfsgerechten’ Entwicklung der Infrastruktur. Jedoch entsprechen Infrastrukturleistungen häufig eher einer institutionellen Logik der AnbieterInnen und PlanerInnen, die einer demographisch alternden Gesellschaft spezifische Bedarfe zuschreiben. Unberücksichtigt bleiben häufig die eigentlich ‚Betroffenen’: BürgerInnen und BewohnerInnen als NutzerInnen der (sozialen) Infrastruktur im Wohnumfeld. Weitgehend vernachlässigt wird der Gesichtspunkt aktiver Beteiligung der Wohnbevölkerung. Beteiligung birgt zwar das Potential einer bedarfsgerechten, alltagsorientierten Entwicklung und Gestaltung der Infrastruktur entsprechend den lebensweltlichen Ansprüchen und Interessen der (älteren) Menschen. In der Praxis wird es aber häufig nicht gefördert oder gefordert.

Wohnungsgenossenschaften können als Solidargemeinschaften und den Prinzipien der Selbstverwaltung verpflichtete Organisationen  besonders befähigt sein, lokale Bedürfnisse zu identifizieren und kleinräumliche, im Wohnumfeld verankerte Beteiligungsstrukturen aufzubauen. Die Attraktivität des Wohnumfeldes für Ältere ist nicht nur ein wichtiger Aspekt bei der Vermietung von Wohnraum, die meist kleinen Genossenschaften sind auch in der Unternehmensführung und in der Gestaltung der Quartiersbedingungen auf das Ehrenamt der Älteren angewiesen.

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Projektvorhaben

Das Forschungsprojekt befasst sich mit dem Für und Wider, der Nachhaltigkeit und Wirksamkeit von Beteiligung älterer BewohnerInnen an der Entwicklung einer wohnortnahen und aktivierenden Infrastruktur am Beispiel sächsischer Wohnungsgenossenschaften. Der Blick wird entsprechend dem Empowerment-Ansatz auf kollektives Handeln der Menschen gerichtet, bei dem (ältere) Menschen zur eigenständigen Gestaltung ihrer Lebensbedingungen befähigt werden und dadurch selbstbestimmt eine Steigerung ihrer Lebensqualität erfahren. In diesem Verständnis werden Projekte formativ bzw. summativ evaluiert, die die konkreten Wohn- und Lebensbedingungen älterer Menschen im Quartier zu verbessern beabsichtig(t)en. Ein spezieller Fokus wird auf Siedlungen gelegt, in denen sich Versorgungsdefizite und benachteiligende Lebensbedingungen für die älteren BewohnerInnen im nahräumlichen Umfeld zeigen (Mobilität, ärztliche Versorgung, Gestaltung des öffentlichen Raumes, kulturelle Einrichtungen).

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Zielsetzung

  • Aufarbeitung von Erfahrungen mit dem Empowerment älterer Menschen zur Systematisierung von Unterstützungsformen tragfähiger, sozialräumlicher Wohn- und Infrastrukturbezüge; Identifikation von Erfolgen, Problemen und möglichen Blockaden
  • Entwicklung eines sozialräumlich orientierten Beteiligungsansatzes mit älteren Menschen und Verknüpfung mit Aspekten der „alternssensiblen Stadt- und Regionalentwicklung“ (Beetz et al. 2008, 2009)
  • Schaffung einer Basis für die Durchführung und Bewertung künftiger Empowerment-Maßnahmen in der Zielgruppe 55+

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Projektverlauf und methodisches Vorgehen

Projektphasen

Methodik

Phase1

 
  • Recherche von wohnumfeldbezogenen Projekten in der Region Sachsen sowie im gesamten Bundesgebiet (Vergleich), bei denen eine Verbesserung der Lebensqualität angestrebt wurde
 
  • Dokumentation der eruierten Projekte unter den Aspekten des Stellenwertes von Empowerment und Schwerpunktsetzung der Versorgungsleistung
 
 
  • Literatur- und Datenbankrecherche zu relevanten Projekten, Modellvorhaben und Forschungsansätzen
 
  • Vorbereitung und Durchführung von leitfadengestützten (Experten-)Interviews zur Konkretisierung und Informationsgewinnung
 

Phase 2

 
  • Durchführung von max. fünf Fallanalysen zu Projekten, in denen Empowerment im Zusammenhang mit Infrastruktur-anpassungen bedeutsam ist (Beteiligungsstruktur, Adressaten, Wirksamkeit der Maßnahmen)
  • Beschreibung, Auswertung und Analyse der ausgewählten Projekte und Rückkopplung mit Projektbeteiligten (und BewohnerInnen)
 
  • Erarbeitung eines Handlungsleitfadens mit Empfehlungen zur Initiierung und Unterstützung von Empowerment in Bezug auf den Anspruch verbesserter wohnumfeldbezogener Lebensqualität
 
 
  • Sozialraumanalysen zur Einschätzung von Versorgungs- und Infrastrukturen im Quartier
 
  • (niedrigschwellige) Befragungen von BewohnerInnen und leitfadengestützte Interviews mit AkteurInnen
 
  • teilnehmende Beobachtung in Gremien (Stadtteilvereine, Mitgliederversammlungen, Bürgerinitiativen, etc.)
 

Phase 3

 
  • Umsetzung und Erprobung des entwickelten Handlungsleitfadens im Rahmen von Mediations- und Partizipationsverfahren zweier zuvor untersuchter Projekte, ggf. Anpassung des Leitfadens
 
  • Analyse von Empowerment-Prozessen, kollektiver Erfahrungsräume und Interessenlagen älterer Menschen in ihrem Wohnumfeld
 
  • Prozessbezogene Rückkopplung der Ergebnisse
 
 
  • Mediations- und Aktivierungsverfahren (Erstellung von Mobilitätskarten, services- and opportunity maps, dream maps)
 
  • Auswertung anhand der Dokumentarischen Methode: Analyse von kollektiven Erfahrungsräumen und Beantwortung der Fragestellung, ob ähnliche Interessenlagen und Engagementpotentiale sichtbar werden
 

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Theorie-Praxis-Transfer

Das Forschungsvorhaben „Empowerment für Lebensqualität im Alter“ ist so konzipiert, dass Studierende im Masterprogramm „Soziale Arbeit“ in den Forschungsprozess einbezogen und praktische Erfahrungen sozialwissenschaftlicher Tätigkeit sammeln können. Sie erhalten so die Gelegenheit, sich sozialwissenschaftlich zu profilieren, die Möglichkeit, ihre Forschungsergebnisse öffentlich zu präsentieren und mit Wissenschaftlern sowie der interessierten (Fach-)Öffentlichkeit zu diskutieren.

Studierende werden dazu befähigt, Forschungsfragen auf konkrete Lösungsansätze zu beziehen, die zur Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen im Quartier beitragen. Dazu werden Methoden aktivierender Sozialforschung vermittelt, Studierende bei der Arbeit im Feld angeleitet (bspw. bei Sozialraumanalysen, Gruppen- und Einzelinterviews) und bei der Vertiefung von Forschungsaspekten im Rahmen von Abschlussarbeiten methodisch sowie inhaltlich betreut.

Die Weiterentwicklung anwendungsorientierter Forschung an der Fakultät Soziale Arbeit geschieht in einem konkreten Praxisfeld und mit entsprechenden Praxispartnern, sodass durch die Einbindung theoretisch und empirisch ermittelten Wissens in die Praxis gewährleistet ist.

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Projektpartner

  • Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e.V. (VSWG) Dresden mehr
  • Institut für Gerontologische Forschung e.V. (IGF) Berlin mehr

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Publikationen

Beetz, S., Beckmann K. J., Hüttl, R. F. und Müller, B. (2008): Alternssensibilität als Konzept moderner Stadt- und Regionalentwicklung. In: Informationsdienst Altersfragen Heft 3, 35. Jahrgang, 2-6

Beetz, S., Müller, B., Beckmann, K. J., und Hüttl, R. F. (2009): Altern in Gemeinde und Region (Altern in Deutschland Bd. 5). Nova Acta Leopoldina NF Bd. 103, Nr. 367, Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft

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