Auslandspraktikum in den USA

Marcus Rößner, 25 Jahre jung, Absolvent unserer Fakultät, hat ein fünfmonatiges Praktikum in Viriginia in den USA absolviert, in einem Community Orginizing Projekt.

Warum fiel die Entscheidung gerade für das Praktikum?

Mit der Praxis der Sozialen Arbeit in Deutschland und insbesondere in Sachsen kann ich mich als Sozial Arbeiter nicht identifizieren. Leider sehen viele meiner Kollegen nur die klinische Seite der Sozialen Arbeit und selbst darin haben viele nicht einmal einen systemischen Blick. Ich kann es ihnen nicht einmal verübeln. Die Praxis der Sozialen Arbeit gibt momentan selten die Mittel für einen optimalen Handlungsspielraum. Mir ist es wichtig unabhängig zu Arbeiten. Eine zukunftsfähige Methode zu entwickeln/adaptieren und sie vor allem finanzieren zu können. Ich habe in Community Organizing (CO) eine Methode gefunden die es mir ermöglicht mein Verständnis von Sozialer Arbeit in der Praxis umzusetzen und soziale bzw. sozialstaatliche Missstände auf lange Sicht und vor allem im großen Maßstab anzugehen.

Zusammen mit dem Community Organizer und Berater für FOCO e.V. (Forum für Community Organizing in Deutschland) habe ich eine Stelle für ein Praktikum in den USA organisiert. Dort habe ich in den letzten 5 Monaten gearbeitet und Organizer begleitet. So konnte ich CO als Methode lernen, zudem wurde ich von meinem Mentor unterrichtet wie man eine Organisation aufbaut und sie finanziert. CO ist ein interessantes Feld und ist meiner Meinung nach ein ausgezeichneter Zusatz zur Praxis der Sozialen Arbeit in Deutschland.

Welche Pläne gibt es für die Zeit nach dem Praktikum

Ich werde im Norden von Leipzig als Organizer arbeiten. Mein Ziel ist es die Organisation “Starke Nachbarschaften durch aktive Beteiligung” mehr zu einer nachhaltigen Basis für Bürger in der Region aufzubauen. Oft hört man das Wort Netzwerk, allerdings sehe ich selten, dass wirklich ein Netzwerk aufgebaut wird. Netzwerke fallen nicht vom Himmel. Es kostet viel Energie und bedarf persönliche Gespräche. Um die Beziehungen aufzubauen, müssen wir unser Selbstinteresse erkennen und das Selbstinteresse unseres Gegenübers. DANN erst haben wir ein Netzwerk! Der nächste Schritt ist, dass wir uns unserer Macht bewusst werden und letztendlich sie auch einsetzen.

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Community Organizing

Community Organizing (Abk. "CO") ist ein Sammelbegriff für verschiedene amerikanische Ansätze der Bürgerorganisation in Stadtteilen. Es zielt auf langfristige und kontinuierliche Veränderung der Lebensqualität im Gemeinwesen und baut als Basis dafür eine tragfähige Bürgerorganisation auf. Dazu wird zu Beginn ein Gründerkreis mit Schlüsselpersonen aus bis zu 50 wichtigen Organisationen der Ortsteile oder auch Privatpersonen gebildet. Die Grundlage der Themenfindung bildet eine Vielzahl von Einzelgesprächen. Die Methode CO besteht darin, eine große Anzahl von Menschen aktiv in die nachhaltige Lösung von Problemen der Nachbarschaft bzw. der Gemeinde einzubeziehen. Dabei zielt CO aber weniger auf individuelle Hilfen. Es will vielmehr gemeinschaftliches Handeln und Solidarität entwickeln helfen und zur Interessenartikulation befähigen. Der Prozess von Community Organizing kann zusammenfassend in drei Schritten beschrieben werden: Im ersten Schritt ist die Durchführung einer systematischen, aktivierenden Befragung ("Listening Prozess") angedacht, mit der vorhandene Probleme festgestellt, Schwerpunkte durch die BürgerInnen ausgewählt und nach Dringlichkeit bzw. Machbarkeit zugeordnet werden. Der zweite Schritt besteht aus der Durchführung von Recherchen und Situationsanalysen, um mögliche Lösungen für die vorhandenen Probleme zu finden. Letztendlich liegt der dritte Schwerpunkt auf der Durchführung von geeigneten Aktionen und Maßnahmen, um die Probleme entweder durch Selbsthilfe oder durch die Einbeziehung öffentlicher Einrichtungen oder anderer Stellen zu lösen.

Quelle: Webseite: Starke Nachbarschaften,10.06.2013